Theaterreise Nepal-Indien

Die Theaterreise durch Indien und Nepal


 

Von Mitte August 2005 bis April 2006 unternahm die Theatercompagnie >fliegende fische> unter der Leitung des Regisseurs Harald Fuhrmann eine achtmonatige Theaterforschungsreise durch Indien und Nepal. Mit der Reise verfolgten sie die Idee, eine universelle Theatersprache zu entwickeln. Dafür hielten sie es für notwendig, zurückbesinnend auf die Ursprünge des Theaters, den institutionalisierten Theaterbetrieb Deutschlands zu verlassen und eine Zeit lang außerhalb des vertrauten Theater- und Kulturraums zu arbeiten.

 


 

 

für mehr bitte hier klicken

 

Sie wählten Asien wegen seiner jahrhundertealten Theater- und Erzähltraditionen, und seiner sich von der europäischen stark unterscheidenden Kultur und Weltanschauung. Das Ziel ihres Projektes war die Konfrontation mit einem gänzlich anderen Wertesystem. Während der Reise suchten sie den Austausch mit den einheimischen Künstlern und die Begegnung mit der Bevölkerung. Dazu gehörten Gastspiele in Städten und Dörfern und auf Festivals, Unterricht in der klassischen indischen Tanzform Chhau, Workshops in SOS-Kinderdörfern und Waisenschulen und ein- bis vierwöchige „Theaterlaboratorien“ mit professionellen nepalesischen und indischen Theatergruppen wie der „Aarohan-Theatregroup“ aus Kathmandu (Nepal), der „Kala Academy“ (Goa), der „University of Calicut“ (Thrissur), sowie der Theatergruppe „Sopanam“ mit ihrem Leiter Sri Kavalam Narayana Pannikar (Trivandrum).

 

Zu den Höhepunkten der Reise zählten der Workshop mit den Theatergruppen „Alternative Living Theatre“ „Ebong Amra“ und Monirath Group Theatre aus Westbengal und der Auftritt beim „Nandikar- Festival in Kalkutta. Das auf der Reise entstandene Repertoire (siehe Trailer) entwickelte das Ensemble in öffentlichen Proben und im Anschluss an die Aufführungen im Dialog mit dem indischen und nepalesischen Publikum ständig weiter.

 

Die gesammelten Geschichten waren zusammen mit den persönlichen Erfahrungen Grundlage für die Stückentwicklung „Götter, Guru, Germany“, die im Juni 2006 im Nationaltheater Mannheim Premiere hatte. Die Theaterforschungsreise fand mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes, des Goethe-Institutes sowie der Indischen Botschaft Berlin statt. Sie ist von Theatercompagnie weitgehend durch Eigenfinanzierung realisiert und durch Spenden unterstützt worden.


Ausführlich Dokumentation der Reise:

 

 

Dokumentation

der Theaterforschungsreise

der Theatercompagnie >fliegende fische>

Inhalt



1. Theaterforschungsreise……………………… Seite 1


2. Auszüge aus den Berichten des Ensembles Seite 3


3. Aufführungen in Deutschland/Indien/Nepal Seite 11



Die Theaterforschungsreise


Die Idee


Von Mitte August 2005 bis April 2006 waren wir als 15-köpfiges Ensemble unter der Leitung des Regisseurs Harald Fuhrmann auf einer achtmonatigen Theaterforschungsreise durch Nepal und Indien unterwegs. Mit der Reise verfolgen wir die Idee, eine universelle Theatersprache zu entwickeln. Dafür hielten wir es für notwendig, zurückbesinnend auf die Ursprünge des Theaters, den institutionalisierten Theaterbetrieb Deutschlands zu verlassen und eine Zeit lang außerhalb des vertrauten Theater- und Kulturraums zusammenzuarbeiten.


Wir haben Asien gewählt, weil wir hier einerseits auf eine jahrhundertealte Theater- und Erzähltradition treffen, und andererseits mit einer sich von uns stark unterscheidenden Kultur und Weltanschauung und einem gänzlich anderen Wertesystem konfrontiert sind.


In kaum einem anderen Lebensraum der Erde treffen Effekte der Globalisierung wie Wirtschaftswachstum, technischer Fortschritt und Beschleunigung der Lebensverhältnisse so massiv auf alte, Jahrhunderte lang überlieferte Traditionen und Weltanschauungen wie in diesen Ländern Asiens. Religiöse Rituale und Zeremonien werden weiterhin praktiziert, während zeitgleich westliche Lebensweisen in den vom Hinduismus und Buddhismus und Islam geprägten Alltag Einzug halten.


Uns interessiert das Nebeneinander der entgegen gesetzten Welten innerhalb eines Landes und die aus unserer Sicht ungewöhnliche Symbiose, die sie miteinander eingehen.


In unserer Arbeit suchten wir die Begegnung mit den Kulturschaffenden und mit der Bevölkerung aus Indien und Nepal. Gastspiele in Städten und Dörfern und auf Festivals, die Zusammenarbeit mit professionellen nepalesischen und indischen Theatergruppen in ein- bis vierwöchigen Laboratorien; und Theaterworkshops in SOS-Kinderdörfern und Waisenschulen waren Teil der Reise.


Mit einer sinnlichen Übersetzung der Worte durch die Ausdrucksmöglichkeiten von Körper, Stimme, Puppenspiel und Musik konnten wir uns jenseits von Sprachbarrieren verständigen. In öffentlichen Proben sind wir mit dem indischen und nepalesischen Publikum über unsere Arbeit in einen Dialog getreten, der zu einer ständigen Weiterentwicklung unseres auf der Reise entstanden Repertoires geführt hat.


 

Mit der Theaterreise haben wir einen langfristigen künstlerischen und kulturellen Austausch zwischen dem asiatischen und europäischen Theater begonnen, der sich in Kooperation mit asiatischen Theaterschaffenden sowohl in Asien als auch in Deutschland fortsetzen soll.


Die Theaterforschungsreise fand mit freundlicher Unterstützung des Auswärtigen Amtes, des Goethe-Institutes sowie der Indischen Botschaft Berlin statt. Sie ist von uns weitgehend durch Eigenfinanzierung realisiert und durch Spenden unterstützt worden.


 

Vorweg das Grußwort von Peter Brook an die >fliegenden fische>:

 

 

Peter Brook wünscht den >fliegenden fischen> gute Reise


Dienstag, 15. März 2005


Unlängst hat uns ein Brief von Regie-Legende Peter Brook erreicht,  in dem er uns mit folgenden Worten das Beste für die bevorstehende Reise wünscht:


"To all flying fish -


Good wishes to you all on your journeys - there´s no better way of getting closer to the mystery called theatre - what it is, what it needs, what we can bring today - how and where -


Peter Brook"


(Übersetzt:  An alle fliegenden fische -die beste Wünsche Euch allen auf  Euren Reisen - es gibt keinen besseren Weg sich dem Mysterium namens  Theater zu nähern als diesen. Was es ist, was es braucht, was wir heute zeigen können - wie und wo - Peter Brook)


Unterwegs vom 19.8.2005 – 12.4.2006 in Nepal und Indien


1. Das „Khukuri“ unter dem Kissen verjagt die Angst vorm Klabautermann


Erste nepalesisch-indisch-deutsche Aufführung auf der Bühne der Schauspielschule der Aahoran-Theatregroup aus Kathmandu, Nepal


Montag, 19. September 2005, von Sven Hönig


Wie sehen Deutsche ihre Heimat aus 8000 Kilometern Entfernung? Wie sieht Heimat in einem Land aus, das sich seit Jahren im Bürgerkrieg befindet? Was hat die deutsche Heimat noch mit Krieg zu tun? Ist Heimat ein Ort? Ein Kinderlied? Oder ist Heimat ein Gefühl, das überall zu finden ist? […]


Die Präsentationen der einzelnen Gruppen sind sehr verschieden. Während bei einer Gruppe ein deutsch-nepalesisches Erzählerduo durch die einzelnen Geschichten führt, gehen bei einer anderen die Episoden nahtlos ineinander über oder mischen sich sogar. So wird zum Beispiel aus der Nordsee, auf der ein einsamer Fischer nach seiner Mutter ruft, der Ganges, an dessen Ufer eine Trauergemeinde gerade einer Leichenverbrennung beiwohnt.


Bei der dritten Gruppe stellen die Schauspieler ihre Heimat selber vor. Ihre Mitspieler springen als Figuren und lebende Requisiten ein oder unterstützen sie mit Liedern und Geräuschen.


[…] Die Zuschauer sehen Schlüssel, die keine Schlösser mehr haben, weil das Haus, das dazugehört, niedergebrannt wurde. Sie sehen ein Khukuri, das nepalesische Nationalmesser, das eine Mutter ihrem Sohn zum Auszug schenkt und das, jede Nacht unters Kissen gelegt, Unglück fernhalten soll. Sie sehen einen Mann in Ostdeutschland, der vergebens die Orte seiner Kindheit sucht und ein Mädchen, das ihren Vater fragt, warum es Kasten gibt. Hier fliegt ein Liebhaber mit seiner Liebe davon und dort wird eine Reisegruppe von einem kleinen Mann mit Seitenscheitel und schmalem Schnurrbart bis ans Ende der Welt verfolgt.


[…] Manchmal kann das Publikum gar nicht unterscheiden, ob es gerade eine nepalesische oder eine deutsche Heimat sieht. So gehen die Zuschauer zum Beispiel felsenfest davon aus, dass da ein nepalesisches Mädchen mit ihrer Mutter dafür streitet, in die Schule gehen zu dürfen. Dabei ist das Ingrids Geschichte, die nach dem Tod ihres Vaters darum kämpfen musste, nicht zuhause bleiben und im Haushalt helfen zu müssen.


2. 20 Tage Chhau - Dance mit Shashadar Acharaya


Samstag, 24.September 2005, von Harald Fuhrmann


Ich habe immer ein Körpertraining für Schauspieler gesucht, das den ganzen Körper auf sanfte Weise erwärmt, dehnt, trainiert und gleichzeitig für den Körperausdruck, die Körperbeherrschung und die Präsenz des Schauspielers von großem Nutzen ist. Mit dem Chhau - Dance habe ich ein solches Training gefunden. […]


Im Chhau – Dance werden viele Geschichten aus den alten berühmten indischen Mythen „Ramayana“ und „Mahabharata“ erzählt. Die Götter, die Menschen, die Tiere, ja auch die Nacht, der Mond, die Sonne, der Regen und die Blume haben ihre eigenen Bewegungen und Rhythmen.


Ein großer Bestandteil des Chhau – Dance sind die Tierbewegungen. Aus dem Beobachten der Tiere sind eigene, neue Bewegungen für den Tanz entstanden, immer in Verbindung mit speziellen Mudras(Hand- und Fingerhaltungen). […]


3. Von Koili, Gulav und Latho Bhungo


„Erzählen und Zuhören“ im Dorf Sunthakan


Sonntag, 2.Oktober 2005, von Sven Hönig


[…] [Der]Priester von Sunthakan […] erfüllt den >fliegenden fischen> den Wunsch nach einer Geschichte aus dem Dorf. Er erzählt ihnen und den dagebliebenen Bewohnern von den Abenteuern des „Lhato Bhungo“, einer bekannten nepalesischen Volksfigur, die sehr an den skandinavischen Peer Gynt erinnert.


Nach 2 Tagen Probenzeit und vielen Gesprächen über Details der Geschichte und die Aussprache der nepalischen Schlüsselwörter versammelt sich Sunthakan, diesmal über dreihundert Zuschauer, wieder auf der Bühnen-Wiese und verfolgt gespannt die europäische Interpretation „ihrer“ Geschichte. […]





4. „Facing Unknown“,

Der deutsch-indische Workshop in Satkahonia hat begonnen

Samstag, 5. November 2005, von Christiane Wiegand

[…] Eine Vielzahl von Theatersprachen haben wir kennen gelernt, deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede großen Anreiz für die weitere gemeinsame Arbeit geben. Es war der erste Schritt unserer beiderseitigen „Begegnung mit dem Unbekannten“. In den nächsten zwei Wochen entwickeln wir in vier Gruppen mit jeweils fünf oder sechs indischen und deutschen Schauspielern und jeweils einem Regisseur zu diesem Thema Geschichten, experimentieren mit Musik, Körper und Stimme und suchen nach dem Raum der Phantasie, in dem wir uns miteinander konfrontieren und begegnen können.





[…] Die Dorfbewohner besuchen uns am Probenort und zu Hause. Sie sind unsere ständigen Gäste und zeigen mit ihrer Neugier, dass Theater nicht irgendeine Arbeit in Abgeschiedenheit eines Probenraumes sein muss, sondern mitten in der Natur, in einem Dorf stattfinden kann. […]

5. Zur Abschlussaufführung „Facing Unknown“

Sonntag, 4.Dezember 2005, von Harald Fuhrmann

Vieles erscheint mir nach dem dreiwöchigen Workshop fremder, als zuvor. Neue Fragen steigen in mir auf, kulturelle Unterschiede sind deutlicher geworden. Diese Fragen können allerdings nur aufsteigen, weil wir in der Arbeit und in vielen Gesprächen und Diskussionen Themen berührt haben, durch die ich viel über die Kultur und das Denken der Menschen hier erfahren habe.

In meiner Workshopgruppe habe ich jeden Schauspieler gebeten, eine kleine Szene zu einem Ritual aus seiner Heimat vorzubereiten. Als wir uns die Rituale dann gezeigt haben, habe ich meist schnell eingegriffen und einen oder mehrere Schauspieler dazu auf die Bühne geschickt.

Aditi wurde mit einem Baum verheiratet, weil ihre Mutter aus einem Teil von Nepal stammt, indem die Töchter, sobald sie zu bluten anfangen, entweder mit einem Baum oder mit einer Kokosnuss verheiratet werden. So tragen sie die Zeichen einer verheirateten Frau und sind vor den Männern sicher. Wenn sie dann mit einem Mann verheiratet werden sollen, wird der Baum abgehackt oder die Kokosnuss aufgebrochen, so dass sie wieder frei sind. Ich habe Lutz gebeten, ihr während der Zeremonie zu begegnen und von ihr zu erfragen, was sie da gerade macht. Es entstand eine zarte, schüchterne Liebesszene.[…] Die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten unser Kulturen auf der Bühne im Spiel zu erleben ist eine wunderbare Sache. Im Schauspieler öffnen sich neue Räume und Phantasiewelten, die ihm ohne diese Begegnung verborgen geblieben wären.

6. Zum Auftritt beim „Natya Mela“-Festival in Kalkutta

Donnerstag, 15. Dezember, 2005, von Harald Fuhrmann

[…] Am Tag zuvor haben wir das ganze Stück verändert. Wir haben einen neuen Rahmen erfunden. Ein Mädchen träumt von Freiheit, Selbstbestimmung und wahrer Liebe und wird plötzlich von den Narren in eine Heirat mit unserem alten, hässlichen Puppennarren gezwungen. Die Szene spielte vor dem geschlossenen Vorhang. Anschließend öffnet sich der gesamte Bühnenraum und das Mädchen wird in ihrem Traum zur Nachtigall, die für die wahre Liebe zu kämpfen beginnt und dafür bereit ist, bis in den Tod zu gehen.

Auf Grund vieler Gespräche über die Rolle der Frau in Indien, über Liebesheirat, arrangierte und erzwungene Heirat hatten wir uns entschlossen, diese Ergänzung auszuprobieren. […]

7. Chhau-Dance an seiner Geburtstätte

Die >fliegenden fische> zu Gast bei der Familie Acharya in Seraikella

Dienstag, 20.Dezember 2005, von Sven Hönig

[…] Neben dem Tanz- und Rhythmustraining und dem Erlernen von Maskenbautechniken waren für mich vor allem die Begegnungen mit den Menschen faszinierend, die sich der Ausübung und der Verbreitung des „Chhau-Dance“ gewidmet haben und ihr Können und ihre Erfahrungen mit Begeisterung teilen und weitergeben.

So wurde für mich dieser jahrhundertealte Tanz, der mir beim ersten Zuschauen auf der Bühne sehr fremd gewesen war, zu einer Kunst, die mitten im Leben steht und Lust macht zu neuen Entdeckungen.

8. Unsere Werkschau in Shilpgram/Rajasthan

Sonntag, der 15.1.2006, von Christiane Wiegand

Am 17.1. 2006 im Daran Auditorium in Shilpgram mit Blick auf die Berge, bei Udaipur in Rajasthan, Indien: Der Saal ist halbgefüllt – im Publikum sitzen viele Männer und vielleicht ca. 15 Frauen. Jedes Alter ist vertreten, vom dreijährigen Kind bis zum Greis. […]Wir zeigen fünf von neun Szenen, die in dieser ersten Probenwoche für die neue Produktion entstanden sind. Jeder von uns hatte die Chance, in zwei Stunden eine Szene aus seiner Sicht und auf seine Art und Weise mit dem Ensemble zu erarbeiten. […]

Weil uns das Gespräch mit dem Publikum nach der Aufführung wichtig ist, wählten wir nur die Szenen aus, die den meisten Diskussionsstoff liefern könnten und bei denen wir wissen wollten, ob sie wirklich das heutige Indien widerspiegeln. Zu Beginn des Abends, als sich Ingrid und Lutz, Sven und Thomas dem Publikum in einem symbiotischen Wesen( der Körper des Einen mit den Händen des Anderen) zu einer Art „heißem Stuhl“ auf die Bühne vor den Vorhang gesetzt hatten und die Zuschauer baten, sie alles zu fragen, was ihnen in den Sinn kommt, tauchte die Frage auf: Wie finden Sie die Swastika, die bei uns ein Symbol für Glück ist? Ingrid und Thomas antworteten darauf, dass sie in Deutschland kein Glück gebracht habe und Sven und Lutz spielten den im Stuhl versinkenden und sich schämenden Deutschen, der aber auch zu ohnmächtig ist, eine Diskussion anzufangen. Nach dem Frage-Antwort- Spiel zwischen uns und dem Publikum, in dem die Fragen von Interesse an geographischen Besonderheiten bis zur Idee der Familie und ihrer Bedeutung in Deutschland reichten, öffnete sich der Vorhang. […]

9. Wüstenträume

Unsere Aufführung in Jaisalmer/Rajasthan

Sonntag, den 29.1. 2006, von Mattes Herre

Applaus! Die Menschen springen auf und gehen zu den Schauspielern, schütteln deren Hände und fangen an, ihnen direkt ihre eigenen Träume mitzuteilen: „Ich will nach Europa“ ; „ Ich will eine europäische Frau heiraten“ ; „Ich will Oliver Kahn sein“ ; „ Ich möchte reich sein, heiraten und ein Haus für meine Familie bauen“ ; „Ich will studieren“ ; „ Ich will hier bleiben und eine Familie haben“ ; „Ich habe gar keine Träume“...

Ende einer Vorstellung der Fliegenden Fische, einer Vorstellung mit der Frage: „Wovon träumen die Deutschen und wovon die Inder?“ […]





10. Fliegende Fische tempeln

Über unsere Aufführung im Virupaksha-Temple in Hampi,

Mittwoch, 10.2. 2006

Für die Zeit in Hampi haben wir uns vorgenommen, das Thema Tod aus unseren Erlebnissen in Indien und unseren Erinnerungen aus Deutschland zu verarbeiten .Wie kann die deutsche Figur des Todes aussehen und wie die indische? Ist er der glutäugige Yama, wie er im Mahabarata beschrieben wird, oder der schwarze Dämon des schlechten Karmas, der auf einer Krähe von Sterbendem zu Sterbendem reist? Es entstanden zwei sehr unterschiedliche Figuren. […] Der Priester murmelt „Asche zu Asche, Staub zu Staub“, ein Trauermarsch erklingt, die Angehörigen gehen ab.

Plötzlich mischt sich in die Schwere der Musik ein Rhythmus, es erscheint Yamaraj. Sein Gesicht ist eine schreiend grüne Maske, der Mund zu einem breiten Grinsen verzogen. Mit unglaublicher Energie tanzt sich Yama durch den Raum und tauscht das schwarze Totentuch gegen ein rotglitzerndes. Das Fest kann beginnen. […]

 

 

 

 

11. Goa Kala Academy, Panjim

Samstag, 25.02.2006

Dreitägiger Workshop mit den Schauspielstudenten der Kala Academy. Wir treffen eine Gruppe von sehr motivierten, begeisterten Studenten. [...]

Am ersten Workshoptag [...] zeigen uns die Studenten einige Szenen, die als Rollenstudium oder für Aufführungen erarbeitet hatten. Nach dem Vorspiel haben sie uns nach unserer Meinung gefragt. Die Schauspieler haben sich wenig Zeit gelassen, so konnte kaum Raum für ihre eigene Phantasie entstehen. Wir haben über das, was zwischen den Zeilen liegt diskutiert.

[...] Sie haben unsere Kritik sehr offen und dankbar angenommen.[...]

Am zweiten Tag teilen wir uns in zwei Gruppen auf und improvisieren Szenen zum Thema Tod, einmal aus indischer und einmal aus europäischer Sicht[...]

Wir improvisieren eine Szene, in der wir das einsame Sterben eines Menschen in einem europäischen Krankenhaus zeigen, gesteuert und überwacht von Maschinen, ohne den Beistand liebender Angehöriger. [...] Die indische Szene ist die Geschichte von Savitri aus dem Mahabaratha -. [...]

Am Abend des letzten Workshop Tages bedanken wir uns für die Gastfreundschaft mit einer Theateraufführung. Wir kombinieren die Szenen aus Udaipur, Jaisalmer und Hampi, spielen fast 90 Minuten und bekommen tolle Rückmeldungen.

.

Wir bleiben noch drei weitere Tage in Panjim und besuchen Unterrichte in Kattak und Barat Nathyam (indische Tanzformen); [...]

12. Theyyam, der göttliche Tanz aus Kerala

Donnerstag, 02.03.2006

Theyyam:.[...]Ein Ritual, um die Götter und auch die Menschen zu besänftigen. Es soll Glück bringen, eine gute Ernte und vieles mehr. Theyyam ist ein anderes Wort für Deivam und bedeutet Gott.

[...] Die Tänzer werden zwei Stunden lang kunstvoll geschminkt. Die Kostüme sind gewaltig, oft tragen sie einen riesigen kreisförmigen Kopfschmuck,

[...] Sie stellen Götter dar, Helden, Tiere, auch einen Affenkönig. Vier Trommler schlagen schnelle Rhythmen auf ihren Bauchtrommeln, [...]

Manche Tänzer segnen das Publikum, sprechen oder singen in den Schrein oder Tempel hinein oder segnen ein paar Rupien, die ihnen ein Zuschauer entgegen hält.

[...] Einmal wird ein Hahn geopfert, genau genommen beißt ihm der in Trance geratene Tänzer in den Hals. Der Anblick dieser Art von Gewalt beim Theyyam soll beim Zuschauer Mäßigung und Nachsicht verursachen, sollte er gegen irgendjemand einen Groll hegen. Dieser Theyyam soll also Aggressionen abbauen. [...]

 

 

 

 

 

13. Das Zufallsprinzip – University of Calicut in Thrissur

Dreitägiger Workshop mit Schauspiel- und RegiestudentInnen,

die letzte Vorstellung “Nachtigall und die Rose”
Samstag, 04.03.2006

[...]
“Am Abend des dritten Tages spielten wir für die Studenten und für die Leute aus dem angrenzenden Dorf „Die Nachtigall und die Rose“. Am Vorabend hatten wir uns für einen aufregenden Versuch entschieden. Nach ca. zwei Monaten wollten wir das Stück zum letzten Mal auf der Reise spielen und dabei das Publikum entscheiden lassen, wer welche Rolle spielt.” [...]

“Es war ein aufregender Flug. Wir kämpften für unsere Figuren und erlebten einen kleinen Theaterrausch.
Vielleicht ist dieses Gefühl der angstfreien Schöpfung eine der wichtigsten Erfahrungen in unserer Arbeit. Wir riskieren auf der Bühne das Scheitern und gewinnen gerade dadurch eine große Kraft. Der Weg auf der Bühne "Look, See, Be, Fly" von Jonathan Kay ist uns zum Maßstab geworden. Den Erfolg dieses Abends verdanken wir vor allem unserem gegenseitigen Vertrauen ineinander.” [...]

14. Zu Gast im Theaterkosmos Sopanam

Dienstag, 28.03.2006

[...] Die ganze Reise über haben wir immer wieder nach Menschen gesucht, die sich mit den Wurzeln der jahrtausende alten Theatertradition Indiens beschäftigen.[...]

In Kerala sind wir jetzt Sri Kavalam Narayana Pannikar und seiner Gruppe Sopanam begegnet. Pannikar ist seit Jahrzehnten eine feste Größe in der indischen Theaterlandschaft und hat sich mit „Sopanam“ mit vielen internationalen Gastspielen auch im Ausland einen guten Ruf erworben. Seine Arbeit beruht auf den Lehren des Natya Shastra, einem alten Lehrbuch für Künstler.

[...] Mit „Sopanam“ haben wir10 Tage lang an „Savitri“ gearbeitet. Die Geschichte von „Savitri“ ist Teil des „Mahabaratha“, dem wichtigsten Epos Indiens neben dem „Ramayana“

[...] Im Workshop haben wir uns zunächst musikalisch der Arbeitsweise Sopanams angenähert. Jeden Vormittag bekamen wir von Pannikar und seinen Musikern Unterricht in indischer Rhythmuslehre und ein vages Verständnis dafür, wie die Theatergruppe sich damit über Bewegung einem Text nähert. Ein unerschöpfliches Forschungsfeld und völlig neu für uns..

[...] haben wir es aber geschafft, eine Umsetzung der Geschichte zu finden, [...] in der sich zwei sehr unterschiedliche Theaterformen wirklich gegenseitig ergänzt haben und zu einem Ganzen geworden sind.[...]

3. Die Aufführungen in Deutschland

I. Bremerhaven, „Theater am Fischereihafen“, Juni 2005:

„Die Nachtigall und die Rose“ nach Oscar Wilde

II. Prenzlau, „Theatersommer“, August 2005:

„Die Nachtigall und die Rose“ nach Oscar Wilde, Freiluftaufführung

III. Schloss Bröllin, August 2005:

„Über die Narrenfreiheit und den Mut auf Reisen zu gehen“,

Werkschau unserer bisherigen Arbeit

Aufführungen während der Theaterforschungsreise

Nepal

I. Kathmandu, Aarohan Theater, September 2005

„Die Nachtigall und die Rose“ nach Oscar Wilde

II. Kathmandu, Aarohan Theater, September 2005

„Heimat“ Workshoppräsentation mit dem Ensemble des Aarohan Theaters

III. Sunthakan, Freiluftaufführung,Oktober 2005

„Die Nachtigall und die Rose“ und „Die Geschichte von Latho Bhungo“, ein nepalesisches Volksmärchen

IV. Kathmandu, Shangrila International School, Oktober 2005

„Die Nachtigall und die Rose“ nach Oscar Wilde

Indien

I. Satkahonia/West Bengal, November 2005

“Die Nachtigall und die Rose”

II. Shantinikettan, Satkahonia/ Westbengal, November 2005

„Facing Unknown“ Workshoppräsentation gemeinsam mit dem Alternativ Living Theatre, der Monirath Theatre Group, und der Theatergruppe Ebong Amra aus Satkahonia

III. Raniganch/West Bengal, November 2005

„Narrenschiff“

IV. Kalkutta, „Natya Mela“-Festival, November 2005

“Fliegen lernen”,

V. Seraikella/Jharkand, Dezember 2005

“Fliegen lernen”

VI. Kalkutta, „Nandikar Festival“, Dezember 2005

“Die Nachtigall und die Rose“

VII. Berhampore, „Ritwik-Festival“, Dezember 2005

“Fliegen lernen”

VIII. Udaipur/ Rajasthan, Western Cultural Center, Januar 2006

“Fliegen lernen”

IX. Udaipur/ Rajasthan, Western Cultural Centre, Januar 2006

“Werkschau”

X. Jaisalmer/Rajasthan, im Fort, Januar 2006,

„Familienträume“

XI. Hampi/Karnataka, im Virupaksha-Tempel, Februar 2006

„Über den Tod“




Proben in der Tempelstadt Hampi

XII. Panjim/Goa, In der Kala-Academy Goa, Februar 2006

„Familienträume“/“Über den Tod“

XIII. Thrissur/Kerala, in der Calicut University, Drama Department, März 2006

“Die Nachtigall und die Rose”

XIV. Trivandrum/Kerala, Koproduktion mit dem Theater Sopanam, März 2006

„Savitri“ eine Legende aus dem Mahabharata , Werkschau nach einem

gemeinsamen Workshop

XV. Kavalam/Kerala. März 2006

„Die Geschichte der traurigen Prinzessin“